Pssst, hier wird gearbeitet!

Impressionen zum Bedämpfen meines fleissigen Rechensklaven

Wie kann man denn den Krach in den Griff kriegen, den ein heutiger Rechner erzeugt? Bis jetzt habe ich drei Lärmquellen ausgemacht und erfolgreich entschärft: Netzteil, Prozessorkühler und Grafikkarte. Zudem habe ich das Gehäse etwas gedämmt, um auch die Geräusche der Laufwerke zu reduzieren.

1. Der Netzteillüfter

Dieser Lüfter war völlig überdimensioniert, deshalb ersetzte ich ihn kurzerhand durch einen leistungsschwachen und damit auch superleisen Papst 8412NGL-Venti. Dieser dreht nur mit 1500 rpm und erzeugt trotzdem immerhin noch einen Volumenstrom von 33 m³/h bei einer Druckdifferenz von 2..3 Pa. [keine Fotos, da noch vor meiner Digitalkamera-Zeit]

2. Der Prozessorkühler

Der AMD Duron 700 erzeugt etwa 32 W an Abwärme. Wenn man von einer Gehäseinnen- temperatur von 50°C ausgeht, darf die Prozessoroberfläche vermutlich nicht mehr als 10°C über Gehäseinnentemperatur sein (keine Ahnung, was die spezifizierte maximale Kristalltemperatur oder der Wärmewiderstand des Prozessorgehäuses ist). Nach Adam Riese ergibt das einen Kühlkörper mit einem Wärmewiderstand von 0.3 K/W, was etwa einem Alurippenkühler mit Abmessungen von 30x10x4 cm³ entspricht.

Ausgangszustand

Ausgangszustand

Konstruktion auf einem alten Couvert

Konstruktion auf einem alten Couvert

Rein durch Wärmeleitung und Konvektion (landläufig auch als "passiv" bezeichnet) geht es kaum, also wird durch einen Venti die Luft daran vorbeigeschoben (man spricht dann von forcierter Kühlung).

Bei einer Kühlkörperoberfläche von 300 cm² (10 Rippen à 2 mal 15 cm²) und einer Luftgeschwindigkeit von 7 m/s ergibt das einen Volumenstrom von etwa 30 m³/h (empirisch). Das ist entweder wie im Original ein 15mm-schmaler 60mm-Lüfter mit 5000 rpm oder ein normalbreiter 80mm-Lüfter mit etwa 1300 rpm (ich benutze einen leistungsfähigen 12V-Venti an 7V, weil ich so einen noch in der Bastelkiste hatte). Den notwendigen (mechanischen) Adapter bastelte ich aus dickem Karton.

Ja, Karton bildet die Grundlage!

Ja, Karton bildet die Grundlage!

bereit für den Einbau

bereit für den Einbau

...und eingebaut

...und eingebaut

Die obere Kurve stellt die CPU-Temperatur dar, die mein Asus-Mainboard mit einem Fühler unter dem CPU-Sockel misst. Die untere Kurve ist der Verlauf der Gehäuseinnentemperatur. Links vor dem "Knick" ist die Temperatur vor dem Umbau. Während des Umbaus konnte sich der Computer abkühlen; nach dem Wiedereinschalten steigt die Temperatur auf das selbe Niveau wie zuvor. Nur: hören tut man davon nichts mehr. Zweck erfüllt!

Temperaturverläufe

Temperaturverläufe

3. Die Grafikkarte

Bei mir werkelt noch eine schon etwas betagtere 3dfx Voodoo V-5500. Die Firma 3dfx gibt's ja nicht mehr, also gibt es auch keine Garantie zu verlieren! Da stecken zwei VSA100-Chips drauf, die von je einem Minikühlkörper und einem 40mm-Venti gekühlt werden. Diese machen leider einen Mordskrach (bei einem ist das Lager angekratzt, das gibt dann so ein kullerndes Geräsch dazu -- hässlich!).

Ausgangszustand

Ausgangszustand

Sachte, sachte!

Sachte, sachte!

Wenn ich einen PCI-Slot opfere, reicht der Platz für einen reinrassigen "passiven" Kühler. Etwas heikel ist das Entfernen des aufgeklebten Kühlers, da ist Vorsicht und Geduld angebracht. Eine Plastikkarte dient als Unterlage für die Schraubendreherspitze. Die entstehenden Geräusche klingen hässlich, ich dachte schon, ich hätte was kaputt gemacht und das ganze Unternehmen sei gescheitert.

Hier sieht man die nackten Grafikprozessoren mit einem grossen Klecks Leim, der in den Ecken schon schwarz ist. Das kann ja kein guter Wärmeübergang gewesen sein! Mit einer Minibohrmaschine fräse ich das Gröbste weg. Danach Schmirgelpapier mit Körnung 150, dann 600 und zum Schluss 2000 ("Poliertuch"). Und das zweimal, puh!

nackte Prozessoren

nackte Prozessoren

runtergeschmirgelt

runtergeschmirgelt

Wärmeleitpaste nicht vergessen

Wärmeleitpaste nicht vergessen

Die Kühlkörper werden mit je zwei Schrauben und Kunststoffunterlagscheiben befestigt; die notwendigen Löcher in der Platine bestehen glücklicherweise schon: aussen an zwei diagonal gegenüberliegenden Ecken um die Chips.

Die Kühlkörper sind gut erhältliche Profil-KK, welche mit der Metallsäge noch etwas modifiziert wurden. Die sichtbaren Löcher in der Mitte sind überflüssig, stören aber nicht allzu sehr. Ich habe zur Befestigung zwei M3-Gewinde (an schlecht zugänglichen Stellen, ächz!) reingeschnitten.

Eine Pracht, nicht wahr?!

Eine Pracht, nicht wahr?!

4. Gedämmtes Gehäuse

Was kann man noch tun, wenn's denn immer noch zu laut ist? -- Das Gehäuse dämmen. Ich war mir von Anfang an bewusst, dass diese Massnahme wohl den geringsten Effekt zeigen wird, zumal sich mein Gehäuse sowieso eigentlich nicht so gut dafür eignet (sehr klein). Da es aber fast nichts kostet und relativ schnell gemacht ist, probierte ich es dann doch aus.

etwa 40 Franken (reicht für 4 Gehäuse)

etwa 40 Franken (reicht für 4 Gehäuse)

zerlegt

zerlegt

Zuerst muss natürlich das Gehäuse zerlegt werden. Ich musste feststellen, dass meines sehr klapprig und billig ist, was eigentlich fast zu schade für die Arbeit ist.

Der zum Einsatz kommende Kork ist 2mm dick und wird als 4m²-Rolle für 25 Franken verkauft. 2mm ist sicher die untere Grenze, der grosse Vorteil ist aber, dass er sich absolut problemlos mit einer Blechschere zuschneiden lässt. Mit einem Spachtel trage ich Pattex dünn auf (und unterstütze damit ein einheimisches Unternehmen aus Pratteln bei Basel). Ursprünglich sollte noch eine Lage Schaumstoff drauf, der war aber in der gewünschten Stärke gerade nicht aufzutreiben. Folgt vielleicht später.

der gute alte Pattex

der gute alte Pattex

fix und fertig

fix und fertig

Kritiker werden bemängeln, dass viele Teile wie beispielsweise die Laufwerkskästen, nicht bekorkt wurden. Nun, ich wollte mir eben eventuelle Aufrüstarbeiten auch nicht zu stark komplizieren. Gerade die Festplatte ist Lärmquelle Nummer eins und hätte mehr Kork verdient. Sie sitzt hier in einem Wechselrahmen aus Kunststoff, der wenigstens kaum Schwingungen auf das Gehäuse überträgt.

5. Fazit

Die Verbesserung ist frappant: Jeder Laptop ist lauter! Als nächstes muss ich mir die Festplatte vornehmen. Eventuell kommt bald ein neuer Audio-Verstärker zum Einsatz, der jetzige (Technics SU-V7) brummt und rauscht stark (ist mir bisher gar nicht aufgefallen) und dazu eine High-End USB-Soundkarte, natürlich selbstgebaut. Man könnte noch darüber nachdenken, wie man Tastaturen das Flüstern beibringt.



6. Weiterführende Literatur

[1] John Williamson: Water-Cooling Athlon, eine superinteressante Beschreibung zum Thema Wasserkülung und einer innovativen Methode zur Rückkülung!

[2] Martin Jungowski: Leitfaden für einen leisen PC -- Teil 1, Teil 2 und Teil 3 Grundlagen. Für jeden empfehlenswert, der mit konventionellen Methoden (wie ich) seinen Computer leiser machen möchte.

[3] Richard Thalmeier: Leise, stabil und schnell, Der Alternativtitel sagt schon viel aus: "Ein Wahnsinniger baut sich einen Computer zusammen :-)" Es geht hier um die verrücktesten Methoden, den eigenen Rechner leiser als den Bildschirm zu kriegen.

Anhang: Mein Computer besteht aus...

  • Asus A7V mit AMD Duron 700 MHz und 256 MB 512 MB Arbeitspeicher
  • 3dfx Voodoo V 5500 (64 MB, Full Screen Anti Aliasing)
  • CreativeLabs Soundblaster PCI 128
  • Planet PCI-Ethernet-Karte Combo (10Base2 genutzt, also Koax)
  • IBM DTLA-307030 (30 GB) und Maxtor 52049H4 (20 GB) im Wechselrahmen
  • Pioneer DVD-105 Plextor PX-320A (Combo)
  • Iomega Zip250 E-IDE Version
  • 3.5" Diskettenlaufwerk



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© by Lukas Graber